Reaktion der Märkte auf US-Zinsentscheid

Die US-Notenbank hat gestern Abend die Zinswende in den USA eingeleitet. Nach 14 Monaten ohne Zinsänderung senkte die Fed ihre Leitzinsen um 0,50 Prozentpunkte auf 4,75 bis 5,00 Prozent. Der US-Zinsentscheid kam nicht überraschend. Die Erwartungen vieler Volkswirten lagen allerdings bei 0,25 Prozentpunkten. An den Finanzmärkten waren zuletzt jedoch Spekulationen laut geworden, dass es auch zu einem großen Zinsschritt mit 0,50 Prozentpunkten kommen könnte, was letztendlich dann auch zutraf.
DAX nähert sich neuem Allzeithoch
Der „XL-Zinsschritt“ der US-Notenbank beflügelt heute Morgen den DAX und bringt ihn seinem Rekordhoch von Anfang September näher. Gestern konnte bis Börsenschluss kaum Veränderung beim deutschen Börsenbarometer verzeichnet werden. Der DAX schloss mit 18.712 Punkten. Die Zurückhaltung der Anlegerinnen und Anleger vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank war noch zu groß. Doch heute startete der deutsche Leitindex Prozent höher bei 18.861 Punkten. Damit fehlen ihm nur noch 103 Punkte oder gut ein halbes Prozent zum bisherigen Monatshoch von 18.990 Zählern.
US-Zinswende positiv für deutsche Wirtschaft
Die Zinswende in den Vereinigten Staaten kommt aus Expertensicht für Deutschland wie gerufen. Das Land steckt in einer hartnäckigen Konjunkturflaute fest. Die US-Zinssenkung ist insgesamt eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft, meinen Analysten. Insbesondere die Industrie, und da in erster Linie die Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen, könnte von den sinkenden Finanzierungskosten bei ihrem wichtigsten Exportkunden enorm profitieren. Das starke Eingreifen der Fed eröffnet auch die Chance, dass die US-Wirtschaft eine sanfte Landung hinlegen wird, was auch für die deutsche Wirtschaft von Vorteil wäre. Immerhin gehen knapp zehn Prozent der deutschen Exporte in die USA. Geringere Zinsen und eine leicht abkühlende Konjunktur dürften wohl die Nachfrage nach deutschen Autos und anderen Konsumgütern stärken. Kommt es noch zu weiteren nennenswerten Zinssenkungen, so sollte das die Finanzierungskosten der Investoren und deren Investitionsneigung positiv beeinflussen. Auch die relativ hohe Kreditfinanzierung des US-Konsums dürfte in diesem Zusammenhang belebend wirken. Die US-Konjunktur hat dann einen stabilisierenden Einfluss auf die Weltwirtschaft aus, erklären Analysten, die davon ausgehen, dass auch andere Zentralbanken mit einer Lockerung folgen werden.
US-Indizes gehen mit Verlusten in den Feierabend
Die Kurse an den New Yorker Börsen sind nach ersten Gewinnen infolge der Zinssitzung bis Handelsende ins Minus gedreht. Der Dow Jones Industrial Average verzeichnete einen Verlust von 0,25 Prozent und schloss bei 41.503 Punkten. Nachdem der Index den dritten Tag in Folge einen Rekord markiert hatte, gab er im Laufe des Tages nach. Der breiter gefasste S&P 500 verzeichnete einen Verlust von 0,29 Prozent, während der technologielastige Nasdaq 100 bis Börsenschluss 0,45 Prozent einbüßte.
Die ersten Reaktionen an den Börsen fallen eher überschaubar aus, obwohl die große Senkung nur von einem Teil der Akteure erwartet worden ist, erklären Analysten die Kursreaktion. Bedenken sollte man allerdings auch, dass die drei Indizes seit Jahresbeginn in der Hoffnung auf sinkende Zinsen bereits prozentual zweistellig zugelegt haben.
Zinssenkung beflügelt Asiens Märkte
Die asiatischen Börsen reagierten auf die jüngste Leitzinssenkung in den USA mit teils deutlichen Kursgewinnen. Insbesondere in Tokio konnte man deutliche Kursgewinne beobachten. Die Kurse profitierten dort vom nachgebenden Yen, der bei japanischen Exportwerten positive Auswirkungen zeigt. Der japanische Leitindex Nikkei 225 schloss mit einem Plus von 2,13 Prozent bei 37.155,33 Punkten. Die geldpolitischen Entscheidungen der Bank of Japan, die am Freitag ansteht, wird nun mit großem Interesse erwartet.
Der CSI 300 mit den chinesischen Festlandwerten verzeichnete kurz vor Handelsschluss einen Zuwachs von 0,81 Prozent. Der Hang Seng in Hongkong stieg mit einem Plus von knapp 2 Prozent nach seiner Feiertagspause ein. Auch in der Sonderverwaltungsregion dürfte eine Zinssenkung die Wirtschaft ankurbeln.
Euro gewinnt
Der Euro verzeichnete nach Bekanntwerden der Zinswende in den USA einen Kursanstieg. Am Morgen lag der Kurs der Gemeinschaftswährung bei 1,1148 US-Dollar. In der vergangenen Nacht war er zeitweise unter 1,11 US-Dollar gefallen. Der Dollar war am Vorabend zunächst unter Druck geraten und der Euro hatte im Gegenzug zugelegt. Doch insgesamt hielten sich die Reaktionen auf die geldpolitischen Beschlüsse jedoch in Grenzen.
Bitcoin über 62.000 US-Dollar
Der Kurs des Bitcoin kletterte nach der deutlichen Zinssenkung über 62.000 US-Dollar. Am Morgen wurde die älteste und bekannteste Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp mit einem Kurs von 62.100 US-Dollar gehandelt. Am Vortag lag der Kurs noch bei rund 60.000 US-Dollar. Da der Bitcoin keine Marktzinsen abwirft, profitiert er, wenn die Zinsen für andere Anlageformen sinken.
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