Steigern Garantien die Attraktivität von Kapitallebensversicherungen für Investoren?

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Investoren sind ständig auf der Suche nach sicheren und renditestarken Anlageprodukten. Kapitallebensversicherungen, die durch ihre langfristige Ausrichtung und die potenzielle Auszahlung einer garantierten Summe im Falle des Todes des Versicherten oder bei Ablauf der Versicherungszeit als attraktive Anlageform gelten können, stellen eine mögliche Option dar. Einige Gesellschaften haben die Überschussbeteiligungen für 2023 bereits erhöht, weitere könnten laut Experten bald nachziehen, abhängig von den Entwicklungen am Kapitalmarkt insgesamt, einschließlich der Aktien- und Immobilienmärkte. Das freut die aktuellen Inhaber von Kapitallebensversicherungen und wirft eine Frage auf: Wie stark beeinflusst eine Garantie die Attraktivität von Kapitallebensversicherungen auf Neu-Investoren? 

Was sind Kapitallebensversicherungen?

Kapitallebensversicherungen sind die Form der Lebensversicherung, bei der neben dem Versicherungsschutz auch die Kapitalbildung im Vordergrund steht. Die Beiträge, die der Versicherungsnehmer während der Laufzeit einzahlt, werden teilweise zur Absicherung des Todesfallrisikos und teilweise zur Kapitalanlage verwendet. Am Ende der Vertragslaufzeit oder im Todesfall des Versicherten wird das angesparte Kapital zuzüglich einer möglichen Überschussbeteiligung ausgezahlt.

Die eingezahlten Versicherungsbeiträge verteilen sich auf drei Bereiche: Etwas über zwei Prozent entfallen auf die Verwaltungskosten und die restlichen knapp 98 Prozent werden je nach Ausrichtung auf den Absicherungsanteil und den Sparanteil aufgeteilt. Der für die Absicherung bestimmte Anteil fließt in risikoarme, weniger ertragreiche Anlagen. Der Sparanteil wird in der Regel in renditestärkere Anlageklassen investiert. Ist eine Garantie im Vertrag verankert, fällt der Absicherungsanteil höher aus, was meist zu einer geringeren Rendite führt.

Anhaltende Beliebtheit trotz Ertragseinbußen

Trotz gemischter Renditen und wachsender Skepsis zählt die Lebensversicherung nach wie vor zu den bevorzugten Sparformen in Deutschland. Fast jeder Einwohner der Bundesrepublik besitzt eine Lebensversicherung. Rund 10% davon entfallen auf reine Risikolebensversicherungen ohne Sparanteil, die restlichen 90% sind Kapitallebensversicherungen.

Obwohl das Ansehen dieser Anlageklasse seit Anfang den neuen Jahrtausends spürbar gesunken ist, gehört sie immer noch zu den beliebtesten Assets und rangiert damit vor Aktien, Aktienfonds oder aktienbasierten ETFs – und das trotz der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken und der langfristig höheren Renditen bei Aktienanlagen.

Die Rolle von Garantien bei Kapitallebensversicherungen

Garantien bei Kapitallebensversicherungen beziehen sich im Allgemeinen auf die garantierte Versicherungssumme, die im Todesfall oder bei Ablauf der Versicherungsdauer ausgezahlt wird. Diese Garantie gibt dem Versicherungsnehmer die Sicherheit, dass er oder seine Begünstigten in jedem Fall eine bestimmte Mindestsumme erhalten.

Der aktuelle Garantiezins liegt nach einer Entscheidung des Bundesfinanzministeriums seit Anfang 2022 für Neuverträge bei 0,25 Prozent. Altverträge werfen deutlich mehr ab. So beträgt bei Verträgen aus den 1990er-Jahren die Garantieverzinsung noch bis zu vier Prozent. Allerdings mussten die Anbieter auch in der Lage sein, diese zu erwirtschaften. 

Da zur Sicherung des Garantiezinses Mittel in konservative Anlageformen wie Staatsanleihen investiert werden mussten, waren die hohen Garantieversprechen seitens der Versicherer kaum noch zu erfüllen. Deshalb erscheint es unwahrscheinlich, dass die Anbieter zu hohen Garantien zurückkehren werden. Der Markt hat mühevoll gelernt, wie teuer sie sein können. 

Attraktivität von Garantien für Investoren

Die Attraktivität einer Garantie bei Kapitallebensversicherungen für Investoren hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zu diesen Faktoren zählen:

a) Sicherheitsbedürfnis:

Investoren, die Wert auf Sicherheit legen und sich vor finanziellen Risiken schützen möchten, dürften Garantien bei Kapitallebensversicherungen als ansprechend empfinden. Sie bieten eine gewisse Planungssicherheit und erhöhen so die Attraktivität des Produktes.

b) Renditeerwartung:

Garantien bieten zwar Sicherheit, schänken aber in der Regel die Renditechancen ein. Da der Versicherer die garantierte Summe absichern muss, wird er eine konservativere Anlagestrategie bevorzugen, was die Renditemöglichkeiten reduziert. Investoren, die auf der Suche nach höheren Renditen sind, könnten Garantien deshalb als weniger attraktiv empfinden.

c) Marktumfeld:

In Niedrigzinsphasen können Garantien bei Kapitallebensversicherungen an Attraktivität gewinnen, da sie den Investoren eine gewisse Mindestverzinsung zusichern. In Zeiten hoher Zinsen hingegen ist es wahrscheinlicher, dass Garantien als weniger attraktiv wahrgenommen werden, vor allem wenn alternative Anlageprodukte noch höhere Renditen versprechen.

Wie lässt sich die Garantie einer Kapitallebensversicherung erhöhen?

Um die Garantien bei einer Kapitallebensversicherung zu erhöhen, können Versicherer zwei verschiedene Maßnahmen ergreifen:

  1. Anpassung der Garantieverzinsung:

    Eine Möglichkeit, die Garantien zu erhöhen, besteht darin, die Garantieverzinsung, die dem Vertrag zugrunde liegt, zu erhöhen. Dadurch wird ein höherer Anteil der Beiträge garantiert verzinst, was letztendlich zu einer höheren garantierten Versicherungssumme führt. Dass dies für die Versicherer zu einem großen Risiko werden kann, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre.

  2. Erhöhung der Beiträge:

    Eine weitere Option besteht darin, die Beiträge, die der Versicherungsnehmer zahlt, zu erhöhen. Durch höhere Beiträge kann der Versicherer mehr Kapital anlegen und somit die Garantien erhöhen.

Überschussbeteiligung und Garantie

Zwischen Überschussbeteiligung und Garantie besteht ein indirekter Zusammenhang. Die Überschussbeteiligung ist der Anteil an den erwirtschafteten Überschüssen, der den Versicherungsnehmern zusätzlich zur garantierten Versicherungssumme gutgeschrieben wird. Eine höhere Überschussbeteiligung kann dazu führen, dass die garantierte Versicherungssumme im Verhältnis zu den tatsächlich ausgezahlten Beträgen geringer erscheint.

Allerdings hat eine Änderung der Überschussbeteiligung keinen direkten Einfluss auf die Garantien, da sie von den erwirtschafteten Überschüssen abhängt und nicht garantiert ist. Um die Garantien bei Kapitallebensversicherungen zu erhöhen, müssen die Versicherer daher Maßnahmen ergreifen, die unabhängig von der Überschussbeteiligung sind, wie beispielsweise die Erhöhung der Garantieverzinsung oder der Beiträge.

Immer eine individuelle Entscheidung

Jeder Investor sollte seine persönlichen Präferenzen und Anlageziele kennen und diese sorgfältig gegeneinander abwägen, um zu entscheiden, wie wichtig ihm eine Garantie bei einer Kapitallebensversicherung ist. Eine umfassende Beratung und individuelle Empfehlungen durch unabhängige Finanzberater oder Versicherungsmakler sind definitiv ratsam. Sie unterstützen bei der Analyse der persönlichen Situation und der Anlageziele und können basierend auf den Ergebnissen die geeignete Anlagestrategie und passende Produkte empfehlen.

Bei der Entscheidung für eine Kapitallebensversicherung sollte der Versicherungsnehmer Vergleiche anstellen, um das ideale Produkt zu finden. Diese unterscheiden sich nämlich nicht nur in der Gewichtung der beiden Elemente Absicherung und Sparen, sondern auch bei den Abschlusskosten. Die Vermittlerprovision kann im Vergleich zu reinen Sparplänen oder Risikoversicherungen deutlich höher ausfallen und auch die steuerlichen Aspekte sind bei anderen Produkten unter Umständen günstiger. 

Unabhängig von der Ausgestaltung sind Kapitallebensversicherungen für den Anleger nur dann lukrativ, wenn sie nicht vorzeitig gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden. In den ersten zehn Jahren fließen große Beträge in die Abschluss- und Verwaltungskosten und erst später wächst der Sparanteil. Bei Vertragsabschluss sollte deshalb unbedingt berücksichtigt werden, dass die Beträge, die in die Versicherung fließen sollen, wirklich über die gesamte Laufzeit hinweg zur Verfügung stehen und investiert werden können.

Fazit

Die Attraktivität von Garantien bei Kapitallebensversicherungen für Investoren hängt von verschiedenen Faktoren ab. Während Garantien für sicherheitsorientierte Investoren durchaus attraktiv sein können, sind sie für renditeorientierte Anleger möglicherweise weniger reizvoll.

Zudem spielen das aktuelle Marktumfeld und die individuellen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele des Investors eine entscheidende Rolle bei der Bewertung von Garantien. Die Attraktivität in Bezug auf die eigene Risikobereitschaft, die Renditeerwartungen und die Anlageziele kann immer nur individuell bewertet werden. Experten raten häufig, Risikoabsicherung und Sparen konsequent voneinander zu trennen, um Kosten zu reduzieren und Erträge zu optimieren.

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