Wie Kapitalismus und Marktwirtschaft für Wohlstand sorgen

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Kapitalismus und Wohlstand in Chile
Kapitalismus und Wohlstand in Chile

Gerade in Europa und speziell in Deutschland, einem der mit Abstand wohlhabendsten Ländern der Welt, wächst in der öffentlichen Wahrnehmung die Ablehnung von Kapitalismus und freier Marktwirtschaft. Längst hat sich das politische Establishment nach links orientiert – die Gewinner der jüngsten Wahlen auf nationaler und regionaler Ebene waren durchweg wirtschaftlich links orientiert Parteien.

Während vor wenigen Tagen selbst der Papst den Kapitalismus auf das heftigste kritisiert, forderte jüngst auch der konservative CSU-Politiker Gerd Müller (Bundesentwicklungsminister) eine Abkehr vom Kapitalismus. Aber warum tun sich gerade die Deutschen mit dem Kapitalismus so schwer – dem System, das nach dem zweiten Weltkrieg für eine rasante Entwicklung von Wohlstand und Vermögen stand?

Kritiker dieser Wahrnehmung sehen darin eine Art der Wohlstandsverwahrlosung. Betrachtet man die Auswirkungen des modernen Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft, so zeigen sich verblüffende Auswirkungen auf den Wohlstand und die Lebensqualität jedes Einzelnen. In diesem Beitrag zeigt die Redaktion am Beispiel von Chile, wie Kapitalismus und Marktwirtschaft für Wohlstand sorgen.

Darum ist Chile das perfekte Beispiel für Kapitalismus

Grundsätzlich gelten südamerikanische Staaten nach wie vor größtenteils als „Emerging Countries“. Die wirtschaftliche Situation der Länder ist prekär, auch die Lebensqualität der Bevölkerung eher durchwachsen. In vielen Bereichen bildet Chile jedoch heute eine positive Ausnahme. Während oftmals sozialistische Regime oder Militärdiktaturen den politischen Alltag diktieren, ist Chile ein Leuchtfeuer der Marktwirtschaft in ganz Südamerika.

Der Grund dafür liegt im Militärregime von Augusto Pinochet: Der Diktator war in Chile von 1973 bis 1990 an der Macht. Während Pinochet als Grausam und sozial erzkonservativ angesehen war, verfolgte dieser wirtschaftlich eher liberale Positionen. Eine Reihe wirtschaftsliberaler Wissenschaftler, unter ihnen auch Milton Friedman, entwickelten auf Bitten Pinochets hin ein für Chile passendes liberales Wirtschaftssystem marktwirtschaftlicher Natur.

Zwar fehlte nach wie vor die demokratische Grundlage der chilenischen Regierung – die Implementierung eines marktwirtschaftlichen Systems in Chile galt jedoch lange als Realtest eines liberalen Kapitalismus unter echten Bedingungen. Die Gruppe der Ökonomen, auch „Chicago Boys“ genannt, besetzte hochrangige Positionen in der Regierung und machte aus Chile eine kapitalistische Marktwirtschaft.

Die Aufgaben und Lösungswege der Chicago Boys

Um den Erfolg eines Wirtschaftssystems zu beurteilen, eignen sich verschiedene Formen der Analyse. Insbesondere ein Vergleich mit anderen Ländern Südamerikas, die auf Grund der territorialen Nähe und verwobenen Geschichte eine ähnliche Ausgangssituation besaßen. Insbesondere die Bekämpfung der horrenden Inflation in Chile gehörte zu den wichtigsten Aufgaben der Chicago Boys.

Die Maßnahmen beinhalteten in erster Linie Privatisierungen von staatlichen Unternehmen, die Liberalisierung des bis dahin bestehenden Wirtschaftssystems und eine Hinkehr zur außenorientierten Handelspolitik. Preiskontrollen und Regulierungen wurden abgebaut, das wirtschaftliche System folgte immer mehr den für die Marktwirtschaft entscheidenden Faktoren von Angebot und Nachfrage.

Auch wenn Milton Friedman offiziell keinen Posten in der chilenischen Regierung übernommen hatte, so diente sein Wert „Kapitalismus und Freiheit“ doch als Blaupause für viele der strukturellen Veränderungen in Chile. Die Umwandlung des Rentensystems von einem umlagefinanzierten Modell zu einem kapitalgedeckten Modell, gehen maßgeblich auf Initiativen von Milton Friedman zurück.

Horrende Einfuhrzölle nach Chile von über 100 % wurden größtenteils auf nur noch 10 % zusammengestrichen, der Kündigungsschutz und das Streikrecht wurden zum Großteil abgeschafft, das Bildungssystem wurde teilweise privatisiert und für Bevölkerung und Unternehmen gab es massive Steuersenkungen. Die anfängliche Inflation von über 500 % im Jahre 1973 konnte innerhalb von nur 10 Jahren auf rund 20 % abgesenkt werden.

Rezession und Überarbeitung des politischen Systems

Nach massiven Steigerungen in der Wirtschaftsleistung und der Lebensqualität für die chilenische Bevölkerung führten interne und externe Faktoren in den Jahren nach 1980 zu einem rapiden Abschwung in Chile. Die Bindung des Peso an den US-Dollar, sowie die Ölkrise in den USA führten zu starken Problemen im Land, die jedoch durch sozialpolitische und zum Teil minimal-invasive wirtschaftspolitische Reformen größtenteils behoben werden konnten.

Die Grundsätze von Privatisierung, freier Marktwirtschaft und Kapitalismus blieben in Chile bis heute erhalten, selbst unter den zum Teil sozialistisch orientierten folgenden Regierungen. Für andere diktatorisch geführte Staaten diente Chile bald als Vorbild, um massive wirtschaftliche Probleme langfristig über neoliberale Reformen in den Griff zu bekommen. Die Zusammenarbeit mit Diktatoren wurde damals und wird heute noch kritisch diskutiert.

So hat die Marktwirtschaft Chile bis heute beeinflusst

Im Jahr 2018 lag Südamerika global betrachtet bei der Kindersterblichkeit immer noch weit vorne. Mit 34 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten markierte Bolivien die traurige Spitze. Anders sieht es dabei in Chile aus: Mit nur 6 Todesfällen pro 1.000 Geburten gab es kein anderes Land auf dem Kontinent, das eine geringere Kindersterblichkeiten vorweisen konnte.

Nicht nur der Beginn des Lebens, sondern auch die Lebensdauer ist in Chile am höchsten. Während man in Guyana lediglich eine Lebenserwartung von 69 Jahren hat, liegt Chile auch hier mit stolzen 79 Jahren auf dem ersten Platz – das sind europäische Verhältnisse. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Lebenserwartung bei 81 Jahren.

Betrachtet man das BIP von Südamerika im Jahre 2017, so liegt Chile mit 452 Mrd. US-Dollar im oberen Mittelfeld, während Brasilien mit 3,2 Bn. US-Dollar die Spitze markiert und Guyana mit nur 6 Mrd. US-Dollar am schwächsten abschnitt. Rechnet man das BIP aber auf die Bevölkerungszahl um, markiert Chile mit 24.600 US-Dollar pro Kopf den Spitzenwert.

Zwar ist Brasilien auf Grund seiner Größe eine wirtschaftlich starke Partei in Südamerika. Mit einer Staatsverschuldung im Jahre 2019 von stolzen 84 % des BIP gibt es aber kein anderes Land auf dem Kontinent mit einer höheren Verschuldung. Chile hingegen liegt mit nur 24 % auf dem zweitbesten Platz. Nur noch Paraguay hat mit 20 % eine noch geringere BIP-Verschuldung als Chile.

Auch die Energieversorgung ist in Chile hervorragend. Betrachtet man den Elektrizitätsverbrauch pro Kopf in kWh im Jahr 2018, so liegt Chile mit 4.085 kWh auf dem ersten Rang. In Brasilien sind es nur 2.438 kWh, im Schlusslicht Bolivien kommt auf einen Einwohner sogar nur ein Verbrauch von 689 kWh pro Jahr.

Auch im Bereich der Armut ist Chile unter den Top 3 mit 14 % Bevölkerunsganteil unterhalb der Armutsgrenze – nur Uruguay mit 10 % und Brasilien mit 4 % schneiden hier besser ab. Bolivien hingegen liegt bei 39 %, Kolumbien bei 28 % und Ecuador bei 22 %. Gleichzeitig gibt es in keinem Land Südamerikas weniger Kinder unter 5 Jahren, die untergewichtig sind – der Wert von Chile liegt bei unter 1 %.

Auch in anderen Ländern führt Marktwirtschaft zu Wohlstand

Die Lebensbedingungen für die Bevölkerung konnten der Kapitalismus und die Marktwirtschaft nicht nur in Chile massiv steigern. Auch in China hat sich die Situation für die dort lebenden Menschen seit der Einführung von Marktwirtschaft, Privateigentum und einer gewissen Weise von Kapitalismus massiv verbessert. Zwar fehlen auch hier wichtige demokratische Strukturen, für die wirtschaftliche Situation ist dies jedoch zunächst unerheblich.

Noch im Jahr 1980 lebten rund 80 % der Chinesen unterhalb der Armutsgrenze. Kommunistische Diktaturen hatten das Land an den Rand des Ruins getrieben. Durch tiefgreifende Reformen und eine Öffnung der Wirtschaft konnte dieser Wert innerhalb von nur 40 Jahren bis heute auf unter 1 % abgesenkt werden. Dabei ist eine Trendumkehr aktuell nicht in Sicht.

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