Kann Tesla Waymo noch einholen?

Das Robotaxi-Unternehmen Waymo dominiert den Markt für autonomes Fahren und legt immer weiter zu. „Waymo-Robotaxis brauchen weniger Kameras und Radar“, hieß es letzte Woche. Was auf den ersten Blick unspektakulär erscheint, ist in Wahrheit ein deutlicher Fingerzeig: Waymo kommt beim autonomen Fahren gut voran – und vergrößert den Abstand zur Konkurrenz immer mehr. Konkurrent Tesla hinkt hinterher.

Wöchentlich mehr als 50.000 bezahlte Fahrten

Als erstes Unternehmen weltweit hat die Google-Schwester Robotaxis zur Marktreife gebracht. Der komplett fahrerlose Robotaxi-Service nahm im Jahr 2020 in einem Außenbezirk von Phoenix seinen Dienst auf. Mittlerweile erstreckt sich sein Aktionsgebiet über weite Teile von Phoenix, San Francisco und Los Angeles. Mehr als 50.000 bezahlte Fahrten pro Woche führt das Unternehmen inzwischen durch und ist damit absoluter Spitzenreiter. Kein anderes Unternehmen hat so viele Fahrten in der „realen Welt“ und Testfahrten absolviert wie Waymo: Mehr als 20 Millionen Meilen echte Fahrten und über 20 Milliarden Testmeilen kamen bisher zusammen.

Waymo setzt jetzt auch auf chinesische Minivans

Inzwischen trägt auch die 2022 angekündigte Kooperation mit dem chinesischen Autohersteller Zeekr erste Früchte: Eine Handvoll Minivans, die Waymo und Zeekr gemeinsam entwickelt haben, sind bereits auf den Straßen von San Francisco unterwegs. Bislang hatte Waymo ausschließlich auf umgebaute Fahrzeuge des Jaguar-Modells iPace gesetzt, die ebenfalls mit Batterien betrieben werden. Derzeit sind die neuen Minivans zwar noch mit einem Sicherheitsfahrer unterwegs, doch dass Waymo mit einem speziell angefertigten, geräumigeren Robotaxi auf die Straße geht, signalisiert, dass der Alphabet-Konzern die nächste Entwicklungsstufe der autonomen Fahrzeugtechnologie erreicht hat. Davon sind Experten überzeugt.

Google pumpt noch mal fünf Milliarden US-Dollar in Waymo

Was genau macht Waymo so erfolgreich? Der finanzstarke Mutterkonzern im Hintergrund ist auf jeden Fall ein Vorteil: Ende Juli hat die Konzernmutter Alphabet zugesagt, weitere fünf Milliarden US-Dollar in Waymo zu investieren. Damit soll Waymo nach Konzernangaben als weltweit führendes Unternehmen für autonomes Fahren aufgebaut werden.

Robotaxi schleift Fußgängerin mehrere Meter mit

Die Sterne für Waymo stehen gut. Das Unternehmen hat quasi keine ernstzunehmenden Konkurrenten. Der wohl größte Rivale, die General-Motor-Tochter Cruise, hat sich sozusagen selbst aus dem Rennen geschossen. Dem Unternehmen wurde nämlich ein Unfall zum Verhängnis: Im Oktober fuhr eines seiner Autos eine Fußgängerin in San Francisco an und schleifte sie mehrere Meter unter dem Wagen mit. Die Cruise-Autos kehren erst jetzt langsam wieder auf die Straßen zurück.

Die unendliche Geschichte vom Tesla-Robotaxi

Und was ist mit Tesla? Ginge es nach den Ankündigungen von Konzernchef Elon Musk, müssten längst zehntausende autonom fahrende Teslas auf den Straßen der Welt unterwegs sein. Schon vor acht Jahren enthüllte Musk den „geheimen Tesla Masterplan, Teil 2“, in dem er ankündigte, Tesla-Modelle zu Robotaxis umzurüsten. Die Idee war simpel und genial: Tesla-Besitzer sollten ihr Auto per Knopfdruck einer Flotte von Tesla-Robotaxis hinzufügen können und es so in der Zeit, in der sie es selbst gerade nicht benötigten, Geld verdienen lassen. Zielhorizont damals: „nächstes Jahr“. Das wäre eigentlich 2017 gewesen.

Seitdem gab es zwar mehrfach Ankündigungen von Musk in Sachen Robotaxis, tatsächlich passiert ist allerdings noch nichts. Erst im April dieses Jahres hatte Musk auf X angekündigt: „Tesla Robotaxi unveil on 8/8“. Doch daraus wurde nichts. Statt am 8. August soll es jetzt erst im Oktober endlich so weit sein.

Tesla braucht das Robotaxi dringend

Experten sind allerdings skeptisch: Selbst wenn Musk den Oktober-Termin einhalten kann und tatsächlich einen Robotaxi-Prototypen vorstellt, dauert es wahrscheinlich noch Jahre, bis das Fahrzeug tatsächlich reif für den Straßenverkehr ist. Viel Zeit für den Marktführer Waymo, der sein Produkt natürlich immer weiter ausbauen und verbessern wird. Und dass Musk offenbar komplett auf Laserradare verzichten und Autonomie nur mit Kameras erreichen will, sehen Technologiekenner ohnehin tendenziell kritisch.

Dennoch: Tesla braucht dieses Robotaxi – und zwar dringend. Die Story des Elektroautopioniers genügt mittlerweile nicht mehr, um Investoren zu überzeugen. Im Gegenteil: Tesla bekommt zunehmend die Konkurrenz zu spüren. Ganz besonders die günstigeren Modelle aus China machen dem US-Konzern Marktanteile streitig. Da helfen die Rabattaktionen auch nur bedingt, denn die schmälern die Marge empfindlich.

Schwierigkeiten mit dem Autopiloten

Die erste Elektroauto-Fantasie verfliegt allmählich, weshalb nun neues Material her muss, um die Börsianer von der Tesla-Aktie zu überzeugen. Verständlicherweise reagierten die Investoren verstimmt, als Musk den für August angekündigten Vorstellungstermin des Robotaxi-Prototypen erneut verschob. Zudem machte Tesla zuletzt eher Negativschlagzeilen, vor allem wegen der Probleme mit seinen aktuellen Autopilot- und Full-Self-Driving-Systemen . Das Unternehmen sieht sich sogar mit mehreren Klagen wegen fahrlässiger Tötung konfrontiert.

Waymo-Hupkonzerte nerven Anwohner

Im Vergleich dazu wirken die Probleme, mit denen Waymo zu kämpfen hat, geradezu lächerlich – auch wenn die betroffenen Anwohner darunter ziemlich leiden. Es sind nächtliche Hupkonzerte auf einem Waymo-Parkplatz in San Francisco, die für Aufregung sorgen. Ausgelöst werden sie von einer neuen Funktion, bei der die selbstfahrenden Autos hupen, falls jemand mit geringer Geschwindigkeit rückwärts auf sie zufährt. Eigentlich eine tolle Sicherheitsfunktion für die Innenstadt, aber auf dem eigenen Parkplatz unnütz und extrem störend – vor allem für die schlafenden Anwohner. Gegen vier Uhr morgens beginnt mit schöner Regelmäßigkeit ein verrücktes Ballett aus autonomem Parken und Hupen. Zwar sollte ein Software-Patch das Problem bereits behoben haben, doch angeblich ist es auf dem Parkplatz immer noch nicht leiser geworden. 

Diese kuriose Geschichte offenbart, dass das autonome Fahren mehr Tücken hat, als so mancher Technikfan je gedacht hat.

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