Haben die Märkte einen Wahlsieg Trumps schon eingepreist?

Am vergangenen Wochenende wurde auf den Ex-Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ein Anschlag verübt, den er leicht verletzt überlebte. Beobachter glauben, dass er Trumps Chancen auf einen Wahlsieg erhöht hat. Trump wird als „marktfreundlicher“ eingestuft als Joe Biden und die Märkte scheinen mittlerweile sogar einen Wahlsieg Trumps schon eingepreist zu haben.

Die Aktie des von Trump gegründeten Social-Media-Unternehmens Trump Media & Technology Group profitierte von den Ereignissen. Ihr Kurs schnellte vorbörslich auf deutlich über 50 US-Dollar hoch und bewegte sich im NASDAQ-Handel gute 30 Prozent höher als noch vor dem Wochenende.

Die Kandidaten: Biden vs. Trump

Am 5. November 2024 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. Für die Demokraten kämpft der amtierende Präsident Joe Biden um Stimmen, für die Republikaner tritt der ehemalige Präsident Donald Trump erneut an. Obwohl der Ausgang der Wahl natürlich noch offen ist, scheint es, als würden die Märkte einen Wahlsieg Trumps schon eingepreist haben.

Anschlag bei einem Wahlkampfauftritt

Trump wollte in der Kleinstadt Butler im Bundesstaat Pennsylvania eine Wahlkampfrede halten. Kaum dass er die Bühne betreten hatte, waren Schüsse zu hören. Trump griff an sein Ohr und duckte sich auf den Boden. Sicherheitsleute eilten zu ihm und schirmten ihn ab. Mit blutendem Ohr und kämpferisch in die Luft gereckter Faust verließ er die Bühne. 

Im Publikum brach Panik aus, der Veranstaltungsbereich wurde evakuiert. Medienberichten zufolge konnte Trump das Krankenhaus schon wenig später wieder verlassen. Später schrieb er auf der von ihm mitgegründeten Plattform Truth Social, dass er von einer Kugel am rechten Ohr verletzt worden war. 

Bei diesem Anschlag wurden ein Zuschauer getötet und zwei weitere schwer verletzt. 

Weltweit große Bestürzung

Das Attentat löste nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt großes Entsetzen aus. Mitten im Wahlkampf keimen nun Ängste vor einer politischen Gewaltspirale auf.

Zahlreiche hochrangige Vertreter aus beiden Lagern verurteilten den Angriff, darunter der amtierende Präsident Joe Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris, Ex-Präsident Barack Obama, die demokratische Fraktionschefin Nancy Pelosi und der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson. Selbst die ehemalige First Lady Melania Trump meldete sich auf der Plattform X zu Wort. Bislang war sie im Wahlkampf ihres Mannes so gut wie gar nicht in Erscheinung getreten.

Auch international verursachte der Vorfall große Bestürzung.

Nominierung noch nicht fix

Auch wenn die Kandidaten der Demokraten und Republikaner für die US-Präsidentschaftswahlen im November 2024 noch nicht offiziell nominiert sind, zeichnet sich schon jetzt ab, dass sich der amtierende Präsidenten und Demokrat Joe Biden und der ehemalige Präsidenten und Republikaner Donald Trump ein hartes Rennen liefern werden. Beide Kandidaten sind nicht unumstritten, was die Vorhersage, wer die Wahl für sich entscheiden wird, sehr schwierig macht.

Trump soll auf dem Parteitag der Republikaner in Milwaukee, der heute beginnt, offiziell zum Kandidaten seiner Partei gekürt werden, trotz des Attentats. Er reiste bereits gestern Nachmittag an und betonte, dass er sich nicht von einem potenziellen Attentäter zwingen lasse, seinen Zeitplans zu ändern.

Der Nominierungsparteitag der Republikaner tagt vom 19. bis 22. August in Chicago. Dort wird final entschieden, ob Joe Biden für seine Partei antreten soll.

Wahlsieg Trumps schon eingepreist?

Auch wenn Analysten stets betonen, dass ein Portfolio nicht von politischen Entwicklungen bestimmt sein sollte, versuchen die Märkte doch zu erahnen, wer ab November im Weißen Haus regiert und welche Auswirkungen das haben könnte.

Die TV-Debatte Ende Juni hat vermutlich zu einem Meinungsumschwung geführt. Bidens wenig überzeugender Auftritt hat offenbar zur Folge, dass sich die Märkte nun eher auf einen Sieg des Herausforderers Trump einstellen.

Vor diesem Hintergrund spekuliert man offen, welche Auswirkungen eine weitere Präsidentschaft Trumps auf die Märkte haben könnte. Vermutungen werden laut, dass ein Sieg des Herausforderers mittel- bis langfristig Inflation und eine mögliche Verlangsamung der Wirtschaft bedeuten könnte.

Auswirkungen auf die Märkte

Die Renditekurve reagierte auf die Debatte mit einem Aufwärtstrend. Länger laufende Anleihen gerieten ein wenig unter Druck. Wenn Trump tatsächlich gewinnt, dürfte das auch weiterhin Auswirkungen auf den Anleihemarkt haben, meinen einige Strategen. Das US-Wirtschaftswachstum dürfte sich dann verlangsamen, und das wiederum macht Zinssenkungen wahrscheinlicher. Kurzfristige Anleiherenditen dürften aufgrund einer gelockerten Geldpolitik sinken, während langfristige Renditen aufgrund wachsender Inflation und eines höheren Staatsdefizits steigen dürften.

Technologiewerte, Banken und Anleger, die auf Zinsvolatilität, also eine steilere Renditekurve setzen, würden vermutlich profitieren. Zu den potenziellen Verlierern hingegen würden Energieaktien, Schwellenländerwährungen und Immobilien gehören.

Sonstige mögliche Änderungen

Hinsichtlich konkreter Gesetzesänderungen, die sich auf die Märkte auswirken könnten, verweisen Experten auf die Änderungen, die Trump in seiner letzten Amtszeit durchgesetzt hat. Im Falle eines Wahlsiegs könnte es erneut zu Steuersenkungen oder verschiedenen Deregulierungsmaßnahmen kommen: Ein solches Szenario begünstigt vor allem Finanzwerte, und unter Trump dürften es auch vermehrt zu Genehmigungen von Fusionen und Übernahmen kommen. Das Potenzial für eine inflationärere Politik sollte außerdem genau im Auge behalten werden.

Letztlich gleicht eine Prognose über den Wahlausgang und dessen Folgen einem Blick in die Glaskugel. Was in jedem Fall bleibt, ist die Grundregel für Anleger: Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Gedanken über Politik Ihre Gedanken übers Investieren in den Hintergrund drängen.

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