Delivery Hero steigt in den DAX auf und ersetzt Wirecard

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Delivery Hero: Der DAX Aufstieg
Delivery Hero: Der DAX Aufstieg

Seit heute steht es nun endgültig fest: Das Berliner Unternehmen Delivery Hero (vormals bekannt unter dem Namen Lieferheld) steigt in den deutschen Leitindex DAX 30 auf. Delivery Hero ersetzt das mittlerweile insolvente Unternehmen Wirecard aus Aschheim bei München, das infolge eines riesigen Bilanzskandals Insolvenz anmelden musste.

Die Frage, welche Aktie wohl in den DAX aufsteigen würde, beschäftigte Börsenexperten bereits länger. Zwischen Delivery Hero und Symrise gab es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Entscheidend für den Aufstieg ist nicht nur die Marktkapitalisierung einer Aktiengesellschaft alleine, sondern auch ein entsprechend hohes Handelsvolumen.

Ursprünglich wäre die nächste Überprüfung des DAX erst im September erfolgt. Weil ein insolventes Unternehmen aber in einem Leitindex nichts verloren hat, hat die Frankfurter Börse AG, die die deutschen Indizes herausgibt, die Regeln geändert. Sobald ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, fliegt es nun schnellstmöglich aus dem DAX – eine begrüßenswerte Entwicklung.

Alle feiern Delivery Hero – aber warum eigentlich?

Im Gegensatz zu Symrise, einem schnell wachsenden Unternehmen aus dem Bereich natürlicher Geschmacks-, Duft- und Aromastoffe, hat Delivery Hero noch kein einziges mal einen Gewinn erzielt. Lediglich im Jahr 2019 konnte ein Gewinn erzielt werden – aber nicht durch die operative Tätigkeit des Unternehmens, sondern durch den Verkauf des Deutschland-Geschäfts.

Das Geschäft mit dem Liefern von Lebensmitteln ist hart umkämpft, die Kosten für die Akquise von Neukunden sind hoch und die Gewinnmargen sind gering. Wenige Big Player teilen den weltweiten Markt unter sich auf. Im ersten Quartal 2020 konnte Delivery Hero dank der Corona-Krise den Umsatz um stolze 92 % auf knapp über eine halbe Milliarde Euro steigern.

Trotz eines erwarteten Umsatzes von rund 2,6 Mrd. Euro im Gesamtjahr 2020 rechnet das Unternehmen aus Berlin immer noch nicht mit Gewinnen. Man werde Gewinne erzielen, wenn man groß genug sei, gab der Chef Niklas Östberg in einem Interview im April bekannt. Die Wachstumschancen haben sich jedenfalls hervorragend auf das Chartbild der Aktie ausgewirkt.

Aktuell ist die Aktie aus fundamentaler Sicht hoffnungslos überteuert. Ein KBV von knapp über 10 steht bei einem Aktienkurs von rund 100 Euro zu Buche. Gleichzeitig liegt das KGV selbst auf das Ergebnis von 2019, das nur durch den Spartenverkauf positiv war, bei rund 82. Andererseits ist die Eigenkapitalquote des Unternehmens von rund 70 % vorbildlich hoch.

Auch Symrise ist ein innovatives Wachstumsunternehmen

Der deutsche Leitindex ist nicht nur im internationalen Vergleich ein sehr schlechter Index. Abgesehen von Adidas und SAP gibt es kaum starke Wachstumstitel. Selbst die deutschen Mid-Cap Indizes MDax, SDax und TecDax lassen den DAX 30 weit hinter sich. Doch auch mit dem Aromastoff-Hersteller Symrise wäre ein wachstumsstarkes und innovatives Unternehmen in den DAX aufgestiegen.

Der Kurs des Unternehmens konnte sich von einem Stand von nur knapp über 7 Euro unmittelbar nach der Finanzkrise 2008 auf aktuell stolze 113 Euro entwickeln. Das entspricht einer annualisierten Rendite von über 130 %. Im margenträchtigen Geschäft mit natürlichen Duft-, Geschmacks- und Aromastoffen hat Symrise mit natürlichen Produkten eine unglaublich starke Marktstellung.

Das heutige Unternehmen Symrise wurde im Jahr 2003 gegründet, kann jedoch im Hinblick auf die Vorgänger-Unternehmen auf eine rund 150-jährige Geschichte zurückblicken. Das Unternehmen aus Holzminden in Niedersachsen betreibt über 90 Standorte weltweit und hat abgesehen vom Schweizer Konzern Givaudan kaum internationale Konkurrenz. Auch das Chartbild kann sich sehen lassen.

Symrise verfügt über eine Eigenkapitalrendite von über 13 %. Das KBV liegt bei rund 6,5. Zwar ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit fast 49 sehr hoch – für ein Wachstumsunternehmen ist dieser Stand jedoch vollkommen in Ordnung. Symrise schüttet rund 40 % des Gewinns an die Aktionäre aus. Die Dividende von 95 Cent pro Aktie entspricht einer Dividendenrendite von rund 0,8 %.

Fazit: Symrise wäre die bessere Wahl gewesen

Delivery Hero ist sicher kein schlechtes Unternehmen. Aktionäre können auf eine stabile Kursentwicklung zurückblicken, das Unternehmen ist innovativ und irgendwann könnte es durchaus gelingen, Gewinne zu erzielen. Bis dahin bleibt Delivery Hero jedoch ein Verlustgeschäft mit astronomischer Bewertung in einem Branchenumfeld, das von Konkurrenzdruck und hohen Kosten getrieben ist.

Symrise hingegen ist ein etabliertes Unternehmen in einem renditeträchtigen Umfeld, das nur einen einzigen wirklich ernstzunehmenden Konkurrenten hat und seit Jahren hervorragende Gewinne verzeichnen kann. Symrise kann seit Jahren seinen Umsatz, seinen Gewinn und das Eigenkapital erhöhen, während die Eigenkapitalquote bei stabilen 40 % liegt.

Letztendlich hat es im DAX in den letzten Monaten viel Bewegung gegeben. Der Aufstieg der Deutschen Wohnen war bemerkenswert, das Unternehmen ist jedoch kein Wachstumstitel. Delivery Hero ist sicher ein Gewinn für den deutschen Leitindex. Nach Meinung unserer Redaktion wäre Symrise aber im Hinblick auf die Profitabilität und die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells die bessere Wahl gewesen.

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