So überbewertet sind die großen Tech-Giganten wirklich

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Sind Tech-Aktien überbewertet?
Sind Tech-Aktien überbewertet?

Die Berichtsaison ist in vollem Gange, insbesondere die Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne aus den USA wird wie immer sehnsüchtig erwartet. Zwar war wohl absehbar, dass die FANGMAN-Aktien die Erwartungen der Analysten schlagen würden – insbesondere Amazon, Apple und Facebook konnten jedoch sämtliche Gewinn- und Umsatzschätzungen pulverisieren.

Dabei hat sich an der fundamentalen Situation dieser Titel kaum etwas geändert. Nach der klassischen Fundamentalanalyse wäre keiner dieser Aktien im Moment kaufenswert – KGV, KUV und andere Kriterien lassen kaum Rückschlüsse zu, wie gut die Unternehmen künftig wachsen werden. Lediglich das PEG-Ratio kann etwas zur Bewertung beitragen.

Unmittelbar nach dem März-Tief der Coronakrise konnten die großen Titel der Nasdaq neue Rekorde erzielen. Wie hat sich also die Situation seither entwickelt? Wie überbewertet sind die Papiere dieser Unternehmen tatsächlich und sollten Anleger jetzt noch zugreifen?

Apple: Der iPhone-Hersteller liefert wieder

Während der Corona-Krise waren zahlreiche Unternehmen gezwungen, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Profiteur davon war unter anderem auch Apple, immerhin mussten zahlreiche neue Geräte in den Firmen angeschafft werden. Der Konzern konnte in jedem Geschäftsbereich zulegen und übertraf die Erwartungen der Analysten bei weitem.

Das Eigenkapital pro Aktie sinkt jedoch seit 2017 kontinuierlich. Aktuell kommt Apple auf ein KGV von knapp über 31 – ein sehr hoher Wert, der im Hinblick auf das erwartete Wachstum immer noch zu hoch ist. Das PEG-Ratio liegt bei knapp über 2, die Dividendenrendite liegt bei 0,8 %. Apple schüttet rund 23 % des Gewinns als Dividende an die Anleger aus.

Zwar hat Apple die Dividenden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert – eine echte Dividendenaktie war Appel aber nie. Das historisch hohe KGV und KUV rechtfertigt die aktuelle Bewertung bei über 400 US-Dollar nicht komplett. Auch die Wachstumsdynamik kann hier nicht wirklich überzeugen. Aktuell scheint die Apple Aktie selbst für eine Wachstumsaktie überbewertet.

Amazon: Von einem Rekord zum nächsten

Ein weiterer klarer Profiteur der Corona-Krise ist der Online-Händler Amazon. Verantwortlich für die sagenhaften Wachstumsraten beim Konzern ist jedoch nicht mehr nur das klassische Marktplatz-Geschäft, sondern auch die Cloud-Sparte namens Amazon Web Services (AWS). Gerüchte, dass diese Sparte separat an die Börse gebracht werden soll, wurden bisher noch nicht bestätigt.

Auch bei Amazon ist die Bewertung zuletzt explodiert, obwohl die Fundamentaldaten dies nur mittelmäßig rechtfertigen. Zwar wächst Amazon bedeutend dynamischer als Apple – hier nimmt aber auch das Eigenkapital pro Aktie nicht ab. Das KGV von rund 150 ist hier wenig aussagend, da praktisch de gesamte Umsatz reinvestiert wird. Das KUV bewegt sich mit rund 3,5 auf einem moderaten Level.

Umsatz je Aktie, Buchwert pro Aktie, Gewinn je Aktie – praktisch alle Metriken steigen kontinuierlich und in hohem Maße. Aktionäre sollten die gut gelaufene Aktie weiter beobachten, das Wachstum ist hier jedenfalls noch intakt. Dass Amazons Wachstum früher oder später an seine Grenzen stoßen wird, scheint jedoch sicher. Die Frage ist lediglich, wann das passiert.

Facebook: Aus der Krise ins Allzeithoch

Noch vor wenigen Wochen waren Boykottaufrufe in den Medien zu lesen und zu hören: Facebook tue zu wenig gegen Rassismus und Fake News, zahlreiche Konzerne (wie etwa Unilever) kündigten einen Boykott der Werbung an. Mit den Quartalszahlen hat Facebook jedoch gezeigt, wie medial aufgebauscht die Reaktion der Öffentlichkeit war. Im Vergleich zum Vorjahresquartal konnte der Gewinn verdoppelt werden.

Der Konzern um das soziale Netzwerk (inklusive Instagram und WhatsApp) gab jedoch auch zu Bedenken, dass das künftige Nutzerwachstum sich verlangsamen werden. Die Steigerung der operativen Marge von 27 % auf 32 % konnte jedoch ebenfalls überzeugen und sorgte für saftige Gewinne. Facebook bezahlt jedoch keine Dividende an die Aktionäre, der Gewinn verbleibt im Unternehmen.

Fundamental betrachtet ist Facebook kein Schnäppchen – das war es aber auch nie. Mit einem KGV von rund 35 ist die Aktie gut bewertet, die Wachstumsraten verleihen der Aktie jedoch Phantasie. Die Eigenkapitalrendite liegt bei fast 20 %, sämtliche fundamentale Kennzahlen steigen weiter kontinuierlich und mit einer guten Dynamik. Anleger können bei Facebook immer noch zugreifen.

Fazit: Hohe Bewertung, kein Ende in Sicht

Die Aktien der Technologiekonzerne rasen von einem Allzeithoch zum nächsten. Die Frage, wann dieses Wachstum sein Ende findet, lässt sich aktuell kaum beantworten. Insbesondere weil viele der Tech-Konzerne zu den Gewinnern der Corona-Krise gehören, dürften Anleger zunächst weiter steigende Kurse sehen.

Wer noch nicht investiert ist und auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte an der Seitenlinie verweilen. Ohne Risikoaffinität lassen sich Technologiefirmen kaum ins Depot legen. Zwar warten hier vermutlich noch gute Renditen, das Risiko nimmt jedoch mit jedem weiteren Kurssprung zu.

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