Jardine Matheson Aktienanalyse: Der Weltkonzern im Detail

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Jardine Matheson Aktienanalyse
Jardine Matheson Aktienanalyse

Es gibt Unternehmen, die sind jedem Kind bekannt – Coca Cola, McDonald’s oder Apple kennt man auf der ganzen Welt. Die Produkte werden überall gekauft und die Dienstleistungen werden auf der ganzen Welt in Anspruch genommen. Es gibt jedoch auch Unternehmen, mit deren Produkten oder Dienstleistungen man eher unbewusst in Berührung kommt.

Eines dieser Unternehmen ist zweifelsfrei Jardine Matheson. Der globale Konzern, der eigentlich Jardine Matheson Holdings Limited heißt, ist ein Mischkonzern mit Schwerpunkt Südost-Asien. Das Unternehmen, das landläufig nur „Jardines“ genannt wird, gehört zu den ältesten und renommiertesten Privatunternehmen der Welt.

Die Aktie von Jardine Matheson dürfte den meisten Anlegern kein Begriff sein. Trotz der enormen Größe und Ertragskraft des Konzerns findet man die Aktien von Jardines kaum in deutschen Portfolios. In dieser Aktienanalyse beschäftigen wir uns mit dem Geschäftsmodell des Konzerns, der Bewertung der Aktie und den Chancen für die Zukunft.

Die Geschichte von Jardine Matheson

Der Konzern Jardine Matheson, zu dem heute eine Vielzahl an multinationalen Tochtergesellschaften gehören, hat seine Ursprünge im 19. Jahrhundert. Nach dem Ende der East India Company, der Monopolgesellschaft in Großbritannien für den Handel mit Indien, gründeten die beiden Schotten William Jardine und James Matheson im Jahr 1832 ihr Unternehmen Jardine, Matheson & Co.

In den ersten Jahren des Unternehmens wurde massenhaft Opium an China verschifft und Tee aus der asiatischen Welt nach Großbritannien importiert. Später erweiterte das Unternehmen seine Tätigkeiten und handelte auch mit Seide und anderen Kostbarkeiten aus Südost-Asien. Heute ist das Unternehmen eines der größten Privatunternehmen der ganzen Welt.

Jardine Matheson ist heute so breit diversifiziert wie kaum ein anderes Unternehmen. Die lange Geschichte des Konzerns zeigt, dass stabile Geschäftsmodelle über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte erfolgreich laufen können. Die kommunistische Revolution in China, die Besetzung durch Japan im 2. Weltkrieg und die Unruhen in Hongkong Anfang 2020 konnten dem Unternehmen nicht nachhaltig schaden. Das liegt unter anderem an einer breiten Diversifikation und stabilen Geschäftsfeldern.

Die Beteiligungen und Geschäftsfelder von Jardines

Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit von Jardines liegt auch heute noch in Südost-Asien. Sowohl in China, als auch in Hongkong und Singapur betreibt das Unternehmen eine gigantische Menge an Tochtergesellschaften. Eine der größten Beteiligungen von Jardine Matheson ist Dairy Farm, einer der größten Einzelhändler für Lebensmittel und Haushaltsprodukte in Asien mit rund 10.000 Läden.

Jardines ist darüber hinaus heute nicht nur einer der größten Importeure für Automobile in Asien. Mehr als 30 % aller Starbucks-Lizenzen werden in China von Jardines gehalten. Weiterhin gehört die Immobilien-Holding „Hongkong Land“ zu Jardines. Die Hongkong Land Gruppe verfügt über Grundbesitz in Höhe von rund 850.000 Quadratmeter Land in Hongkong und ist damit der größte Grundeigentümer in Hongkong.

Auch die berühmte Kette für Luxushotels namens Mandarin Oriental gehört zu Jardine. Aktuell gibt es 33 Luxushotels von Mandarin Oriental in insgesamt 23 Ländern auf der ganzen Welt. Im Übrigen ist Jardines noch in den Branchen Bau, Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Landwirtschaft, IT, Infrastruktur, Energieversorgung und Einzelhandel tätig.

Die wichtigsten Branchen und Beteiligungen von Jardines im Detail:

  • Industrie (Schindler Holding, Tata Power, Jardine Cycle & Carriage)
  • Automobil (Jardine Motors Group, Astra International)
  • Hotellerie (Mandarin Oriental)
  • Einzelhandel (Dairy Farm)
  • Grundbesitz (Hongkong Land)
  • Finanzwesen (Asia Commerical Bank, Paris-Orléans, Bank of N.T. Butterfield & Son, ACLEDA Bank)
  • Versicherungen (Jardine Lloyd Thompson)

Die wichtigsten Fundamentaldaten zu Jardine Matheson

In einer Aktienanalyse dürfen natürlich Fundamentaldaten und Aktiencharts nicht fehlen. Insbesondere die Bewertung nach Value-Kriterien ist für eine Beteiligungsgesellschaft wie Jardines sehr empfehlenswert. Hier offenbart sich ein heftiger Risikoabschlag, der nicht nur aus der Covid19-Krise, sondern auch aus den Unruhen in Hongkong resultiert.

Jardines verfügt aktuell über eine Marktkapitalisierung von rund  46 Mrd. US-Dollar (zum Vergleich: Berkshire Hathaway verfügt über eine Marktkapitalisierung von 510 Mrd. US-Dollar). Dem gegenüber steht ein Eigenkapital in der Bilanz von ca. 57,7 Mrd. Euro. Die Aktie wird folglich unter ihrem Buchwert gehandelt; rechnerisch ergibt sich ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,54 – eine heftige Unterbewertung, sollte sich die Situation in Hongkong wieder beruhigen.

Im zweiten Quartal 2020 blieben abgesehen von Mandarin Oriental alle Tochterunternehmen von Jardines profitabel. Das KGV von rund 8,5 ist ausgesprochen niedrig, hier dürften sich in Zukunft Bewegungen abzeichnen. Mit einem Ergebnis pro Aktie von knapp 5 US-Dollar kann sich das Unternehmen eine solide Dividendenpolitik erlauben.

Aktuell werden 1,72 US-Dollar an Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Das entspricht einer Dividendenrendite von ca. 4,1 % bei einer Ausschüttungsquote von etwa 35 %. Hier ist also noch Luft nach oben bei der Dividendenzahlung. Steigende Dividenden dürften aber mittelfristig nur mit einer Beruhigung der Situation in Hongkong und einem Abflauen der Corona-Pandemie einhergehen.

So sieht der Aktienchart von Jardine Matheson aus

Die Unruhen in Hongkong, die Spannungen zwischen den USA und China, sowie die Corona-Pandemie sind nicht spurlos am Aktienchart von Jardine Matheson vorbeigegangen. Nachdem die Aktie Mitte 2015 bei rund 50 US-Dollar stand, kostete sie 2019 stolze 70 US-Dollar. Seither ging es mit der Aktie von Jardines steil bergab. Aktuell liegt der Aktienkurs nur knapp über dem Corona-Tief von Mitte-März in Höhe von rund 40 US-Dollar.

Jardine Matheson Aktienchart
Jardine Matheson Aktienchart

Im Vergleich zum MSCI World hat sich Jardines zwar seit 2015 zunächst positiv entwickelt – die Höchststände der weltweiten Aktienmärkte Ende 2019 konnte der Mischkonzern aber nicht mehr übertreffen. Die schwierige Lage zwischen China und den USA und China und Hongkong selbst haben dem Unternehmen zugesetzt. Der Risikoabschlag ist auch im Chartbild klar zu sehen.

Jardines Aktie zu MSCI World Index
Jardines Aktie zu MSCI World Index

Während sich gerade Technologie-Unternehmen sehr positiv seit dem Corona-Crash Mitte März entwickelt haben, bleiben Value-Aktien immer noch hinter den alten Höchstständen zurück. Der Russell 1000 Value performte seither deutlich schlechter als der Russell 1000 Growth – diese Entwicklung zeigt sich auch am Beispiel von Jardines.

Fazit: Chancen und Risiken der Jardines Aktie

Die Risiken von Jardines liegen praktisch auf der Hand: Die chinesische Regierung befindet sich aktuell nicht nur in einem Handelskrieg mit den USA. Auch das sogenannte „Sicherheitsgesetz“ für Hongkong bedroht die geschäftlichen Aktivitäten und die wirtschaftliche Freiheit in der Stadt. Die aktuelle Bewertung der Aktie zeigt, dass die Investoren künftig von einem schwierigen Marktumfeld für Jardines ausgehen.

Andererseits bietet Jardine Matheson ein unglaublich breit gefächertes Portfolio an Produkten und Dienstleistungen für die ganze Welt. Vom Bau und dem Einzelhandel über die Hotellerie und Automobile bis hin zu Finanzdienstleistungen und Versicherungen – einzelne Geschäftsfelder können hier zwar schwächeln, das kann in einer anderen Branche aber wieder aufgeholt werden.

Kurzfristig ist bei der Jardines Aktie mit Turbulenzen zu rechnen. Die Aktie zeigt noch keine Anzeichen der Erholung von Corona. Mittelfristig dürfte die Aktie jedoch eine sehr gute Wahl sein, um vom Aufschwung Asiens zu profitieren. Die wachsende Mittelschicht in China und allgemein in Südost-Asien will Produkte aus der westlichen Welt – hier ist Jardines perfekt aufgestellt und kann sich auf eine rosige Zukunft freuen.

Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information. Die Inhalte stellen keinerlei Empfehlung zum Kauf einer oder mehrerer Titel dar. Der Autor dieses Artikels ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Jardine Matheson.

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