Schmuckstein oder Investmentstein – das sind die Unterschiede

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Edelsteine sind einfach faszinierend. Aber nicht alle Edelsteine sind gleich beschaffen. Die Qualität kann erheblich variieren und wenn es um eine Investition geht, muss man sich auf die allerbesten dieser funkelnden Schönheiten konzentrieren.

Als Investment-Farbedelsteine eignen sich nur ganz wenige Steine. Es sind diejenigen mit erstklassigen natürlichen Qualitäten. Sie sind so rein und einzigartig, dass sie keinerlei künstliche Behandlung benötigen. Sie sind einfach von Natur aus perfekt.

Solche Steine sind extrem selten. Und genau diese Seltenheit macht sie unglaublich wertvoll.

4Cs für die Qualität

Die Attraktivität und Qualität eines Edelsteins werden anhand der sogenannten 4Cs bestimmt. Diese 4Cs repräsentieren die vier wichtigsten Kriterien:

  • Carat – das Gewicht
  • Clarity – die Reinheit
  • Color – die Farbe
  • Cut – der Schliff 

Grundsätzlich gilt: Je größer ein Stein, je reiner, je intensiver die Farbe und je symmetrischer der Schliff, desto teurer und desto wertvoller ist der Stein.

Wenn man nun zwei Rubine nebeneinander legt, die beide natürlich entstanden sind und oval geschliffen wurden. Sie wiegen beide etwas über drei Karat und sehen sich täuschend ähnlich. Der eine ist ein Schmuckstein und kostet 9.000 Euro, der andere ist ein Investmentstein und kostet 90.000 Euro. Ein solch signifikanter Preisunterschied mag auf den ersten Blick unverständlich erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich, dass er durchaus berechtigt ist.

Beide Rubine sehen bezaubernd aus und sind wunderschön. Ein Laie und selbst ein Fachmann kann mit freiem Auge keinen Unterschied feststellen. Und doch gibt es einen: Der Investment-Farbedelstein ist im Gegensatz zum Schmuckstein unbehandelt. Er wurde weder erhitzt, noch bestrahlt, noch mit Chemikalien künstlich in seinen Eigenschaften verbessert. Er ist einfach von Natur aus so schön. Beim Schmuckstein hingegen ist die Schönheit erst durch menschliches Zutun entstanden.

Warum werden Edelsteine künstlich behandelt?

Edelsteine kommen in der Natur sehr selten vor. Im Vergleich: 2021 wurden etwa 3.000 Tonnen Gold gefördert. Die Menge an Diamanten, die für die Schmuckindustrie abgebaut wurden, betrug lediglich 9 bis 10 Tonnen. Und von den sogenannten „Big Three“ der Farbedelsteine – Rubin, Saphir und Smaragd, welche als Blue Chips der Branche gelten – wurden insgesamt nur 600 Kilogramm gefunden. Und von dieser ohnehin schon geringen Menge konnten lediglich 2 bis 3 Prozent, also maximal 15 Kilogramm, die Top-Qualität aufweisen, mit der sie sich als Investmentstein qualifizieren können.

 

Würde die Schmuckindustrie nun ausschließlich diese Top-Qualitäten nutzen, könnte sie die Nachfrage nicht einmal ansatzweise befriedigen. Und weil bei Schmuck in erster Linie die Schönheit zählt, behilft man sich, indem Edelsteine mittlerer und geringer Qualität in die Produktion einbezogen und entsprechend behandelt werden. Ihr Aussehen wird teilweise dramatisch verbessert und die Schmuckindustrie hat dadurch genügend hübsche Edelsteine zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen zur Verfügung.

Übliche Behandlungsmethoden von Schmucksteinen

Wenn bei Farbedelsteinen von Behandlungen gesprochen wird, bezieht man dies auf verschiedene Prozesse, die das Aussehen und die Qualität eines Edelsteins verbessern. Solche Behandlungen können unterschiedlich ausfallen, je nachdem, um welche Steinart es sich handelt und welche Eigenschaften des Steins verbessert werden sollen. Nicht jeder Edelstein spricht auf alle Behandlungsarten gleich gut an.

Einige der gängigsten Behandlungsmethoden sind:

Erhitzen

Dies ist eine der ältesten und gebräuchlichsten Methoden zur Verbesserung von Farbedelsteinen. Durch das Erhitzen können Unreinheiten entfernt oder die Farbe eines Steins verbessert werden. Beispielsweise wird Blauer Saphir oft erhitzt, um seine Farbe intensiver zu machen.

Bestrahlung

Einige Edelsteine, wie zum Beispiel Blauer Topas, erhalten ihre Farbe durch Strahlungsbehandlung. Dieser Prozess kann dazu führen, dass ein ursprünglich farbloser oder blasser Stein eine intensive Farbe annimmt.

Ölen

Manche Steine, insbesondere Smaragde, werden oft geölt, um ihre Klarheit zu verbessern und Risse oder Einschlüsse zu minimieren. Da Smaragde aber in der Regel bereits in der Mine in Ölfässer geworfen werden, um die brüchigen Steine zu schützen, ist so gut wie jeder Smaragd geölt. Deshalb gilt auch bei Smaragden in Investmentqualität eine leichte Ölung als zulässige Behandlung, aber wirklich nur solange sie leicht ist.

Diffusion (Färben)

Durch eine Diffusionsbehandlung kann die Farbe eines Steins verändert oder verbessert werden. Dabei wird der Stein in ein farbiges Medium gelegt, das bei hohen Temperaturen in den Stein eindringt und so seine Farbe verändert.

So erkennt der Investor eine Behandlung

Für Investoren ist es von entscheidender Bedeutung, dass ein Edelstein von Natur aus herausragende Eigenschaften aufweist und nicht behandelt wurde. Ein solcher Stein muss lediglich poliert und geschliffen werden, um seine natürliche Schönheit zur Geltung zu bringen. Er ist begehrt, geologisch selten und weltweit nachgefragt.

Für den Investor kann es herausfordernd sein, einen Schmuckstein von einem Investment-Farbedelstein zu unterscheiden. Da nur Fachleute zweifelsfrei herausfinden können, ob ein Edelstein behandelt wurde oder nicht, sollte jeder Investmentstein von zwei Dokumenten begleitet sein, die eindeutig die Qualität und den Wert des Steins beschreiben und dokumentieren. 

Eines dieser Dokumente ist der Befundbericht eines international anerkannten Prüflabors. Das andere ist ein Wertgutachten eines vereidigten Sachverständigen der Industrie- und Handelskammer. Es findet eine wissenschaftliche Beurteilung des Steins statt, getrennt von einer kaufmännischen Beurteilung des Steins. Beide sollten frei von Interessenkonflikten sein.

Der Befundbericht – die wissenschaftliche Beurteilung

Anerkannte Prüflabore sind zum Beispiel die Deutsche Stiftung Edelsteinforschung (DSEF) aus Idar-Oberstein, das Gem Research SwissLab (GRS) aus der Schweiz oder Gübelin. Sie sind vergleichbar mit der GIA für die Beurteilung von Diamanten. Die Besonderheit dieser Labore liegt darin, dass sie Wissenschaftler, Mineralogen und Geologen beschäftigen, die einen Stein nach einem standardisierten Verfahren eindeutig befunden und feststellen können, woher der Stein stammt und welche Behandlungsverfahren er durchlaufen hat.

Das Wertgutachten – die kaufmännische Beurteilung

Auf der anderen Seite ist ein Wertgutachten erforderlich, die kaufmännische Beurteilung eines Steins. Dabei führt ein vereidigter IHK-Sachverständiger eine sorgfältige Marktforschung durch und dokumentiert den Wert des Steins. Der Wert wird in plus/minus 10% angegeben, da der Gutachter die Preise über einen gewissen Zeitraum hinweg betrachtet und dabei auch regionale Preisunterschiede berücksichtigt.

Fazit

Edelsteine können gravierende, wertbeeinflussende Unterschiede aufweisen, die mit freiem Auge nicht zu erkennen sind. Für ein sicheres und angemessenes Investment sind zwei Dokumente entscheidend, die den Farbedelstein begleiten sollten: der Befundbericht von einem anerkannten Labor und separat dazu das Wertgutachten. Nur mit beiden Dokumenten kann der Investor sicher sein, dass er einen Edelstein in Investmentqualität erwirbt, einen angemessenen Preis bezahlt und den Stein später bestmöglich wieder verkaufen kann.

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